So, dieser Blogeintrag ist jetzt mal wieder nur von mir, David, geschrieben.
Wir hatten ja noch in Airlie Beach unseren Medical Check gemacht, unsere Ohren, Blutwerte, die Lunge, Gleichgewichtssinn usw. testen lassen. Dieser Test ist in Australien eine Pflichtvoraussetzung, um einen Open Water Schein zu machen. Während ich und die beiden Mädls anstandslos durchgekommen sind, hat der Floyd aus noch nicht ganz geklärten Gründen den Atmungstest nicht bestanden und kann daher den Tauchkurs nicht mitmachen.
Daher ist dieser Eintrag jetzt nur aus meiner Sicht geschrieben, der Floyd wird wohl noch seine eigene Version von Magnetic Island zum besten geben.
Nach Airlie Beach sind wir dann also morgens mit dem Bus nach Townsville aufgebrochen, eine relativ große Stadt schon ziemlich nördlich an der Ostküste. Die Busfahrt wurde dann auch gleich mal um eine Stunde verlängert, weil auf dem Highway jemand gegen einen Baum gefahren ist, und mit dem Helikopter abgeholt werden musste. Dafür wurde gleich mal der ganze Highway für eine halbe Ewigkeit gesperrt, da er als Landeplatz verwendet wurde. Mitten im Hinterland haben wir so aber mal die Australische Outbackromantik kennengelernt, direkt neben dem Bus haben nämlich grade ein paar Cowboys auf ihren Pferden und Bordercollies ( diese Hunderasse halt, keine Ahnung wie man die schreibt ) eine riesige Rinderherde über grenzenlose Weiden getrieben.
In Townsville angekommen, haben wir erst mal ins Hostel eingecheckt und Spaghetti Carbonara gekocht, mit viel Speck, Sahne und Eiern. Das hat mal wieder richtig gut getan, etwas so gutes zu kochen. Floyd und ich haben uns auch prompt dazu entschieden, ab jetzt lieber mal einen Dollar mehr fürs Essen zu investieren und dafür mal von den täglichen Nudeln mit Tomatensauce, in Abwechslung mit Baked Beans mit Spiegeleiern wegzukommen.
Also haben wir uns am nächsten Tag Brokkoli, Spargel, Kartoffeln, Zucchini, Karotten und einen Haufen Obst gekauft. In den letzten Tagen haben wir dann meistens Risotto mit verschiedenen Gemüsesorten gegessen, und heute braten wir den Spargel zusammen mit Kartoffeln, Zwiebeln und Speck an. Ich hoffe mal dass das schmeckt, der Floyd behauptet das zumindest.
In Townsville haben wir uns das erste mal wieder richtig Gedanken über unsere Zukunft gemacht, durch die Lisa bin ich ja wieder voll auf dem Medizintrip und überlege mir jetzt, wie ich das realisieren kann.
Außerdem ist uns aufgefallen, dass unsere Gehirne vollkommen unterfordert sind, uns fehlt eindeutig geistige Nahrung. Also sind wir am nächsten Morgen gleich mal in eine Bücherei gegangen, übrigens die erste, die wir seid der Ankunft in Sydney vor mittlerweile über zwei Monaten gesehen haben. So etwas bequemes wie den Hugendubel findet mal hier nämlich nicht.
Nach über einer Stunde haben wir die Bücherei schweren Herzens wieder verlassen, ich mit einem Buch über Zellbiologie, Floyd eins über Business. Ich hätte nicht gedacht, dass man nach so wenigen Monaten ohne Schule schon so einen Lernbedarf hat. Wir spielen mittlerweile sogar regelmäßig Schach, um unser Gehirn wieder ein bisschen zu fordern.
Abgesehen davon ist in Townsville aber nicht soviel passiert, obwohl die Stadt zwar etwas größer ist wie die ganzen restlichen Orte an der Ostküste, die sich den Namen Stadt ermogelt haben, hat sie sich, wie ich finde, doch nicht einen so großen Schriftzug auf der Karte verdient.
Hier gibt es immerhin 3 Supermärkte, eine Fußgängerzone, einen öffentlichen Swimmingpool, und zufälligerweise gerade letzte Woche einen Wochenmarkt.
Also haben wir uns mit unserem immer schwerer werdenden Gepäck durch die Mittagssonne Richtung Fähre aufgemacht, mit Essen für 4 Tage und einer Kiste Goon hatten wir jeder sicher über 25 Kilo auf den Schultern.
Auf Magnetic Island angekommen, haben wir nach den tollen Orten und Clubs Ausschau gehalten, die es hier angeblich geben soll. Von der Organisation wurde die Insel nämlich als die Partyinsel schlechthin bezeichnet, mit Technoclubs und Lichtshows und dem ganzen restlichen Programm. Nun ja, der größte Ort besteht auf den ersten Blick aus dem Fährenhafen, einem, zugegeben, echt großen Resort für Besserverdienende, und einem Parkplatz, auf dem jemand versucht, Elektroautos zu verleihen. Erst wenn man genauer hinsieht, findet man die anderen Häuser und Läden, die hier alle über eine riesige Fläche verteilt sind. Alles in allem ist der Ort aber trotzdem sicher nur halb so groß wie Warngau. Und Clubs haben sich bis jetzt auch noch nicht aus ihren Versteck getraut.
Naja, Floyd hat sich auf jeden Fall telefonisch in einem anderen Hostel eingecheckt, da er ja den Tauchkurs nicht mitmachen kann und dadurch nicht umsonst in unserem Hostel schlafen kann.
Unser Hostel, das größte auf der Insel, liegt direkt am Meer, 20 Minuten zu Fuß abseits jeglicher anderer Häuser, hat einen eigenen Strand, eine eigene Bar und unglaublich viele Palmen. Zum Relaxen und Aushängen könnte man sich wirklich nichts besseres wünschen. Jeden Abend ist hier Party angesagt, allerdings aus Rücksicht auf andere Hostelgäste nur bis 12 Uhr, und die Beteiligung lässt auch zu wünschen übrig.
Am Montag hat dann auch morgens um halb Neun der Tauchkurs angefangen. Ich hatte mich auf 4 gechillte Tage eingestellt, mit Sonne und Tauchen und so weiter, und sitze plötzlich in einem Klassenraum und halte ein 200 Seiten starkes Buch in der Hand, und bekomme von der Lehrerin auf Englisch, allerdings mit dem breitesten Österreich-Akzent, den ich je zu hören bekommen habe, gesagt, dass am nächsten Tag am späten Nachmittag ein Test über das gesamte Buch geschrieben wird. So dringend hatte ich das dann mit geistiger Nahrung auch nicht gemeint. Nachdem wir erst mal 3 Stunden für uns alleine die ersten 2 Kapitel durchgearbeitet hatten, haben wir uns dann den gleichen Stoff nochmal auf DVD anschauen müssen, und sind dann nochmal alles im Unterricht durchgegangen. Spätestens nach der DVD konnte ich alles auswendig, und mir ist es ein Rätsel, wie manche Leute, unter anderem eine 29 jährige Französin, manche Sachen einfach nicht begreifen wollte. Danach ging es dann in den Pool, mit voller Montur, Airtank, Regulator, Buoyancy Contol, Wetsuit usw. wurden dann verschiedene Skills erprobt, die Brille unter Wasser aus- und wieder angezogen, Regulatoren gewechselt, Zeichensprache geübt und und und. Der Abend fiel dann etwas ernüchternd aus, wir waren mit Hausaufgaben und Stoff zum Lernen beschäftigt, und Floyd ist dann mit seinem Scooter, den er sich ausgeliehen hatte, wieder in sein Hostel gecruist. Am nächsten Tag wurde dann gleich mal der ganze Zeitplan über den Haufen geworfen, da der Filter vom Pool, der direkt neben unserem offenen Klassenzimmer ist, nicht mehr funktioniert hat und einen wunderbaren Duft über den gesamten Poolbereich gelegt hat, inklusive Klassenraum. Also ging es gleich in den Pool, atmen tut man da ja eh aus den Zylindern, und der Theorieunterricht, der sich als immer lächerlicher und einfacher herausstellte, wurde nachmittags fortgesetzt und der der Test auf den nächsten Tag verschoben. Am nächsten Tag hat die Pumpe dann Mittags wieder ihren Geist aufgegeben und der Test um einen weiteren Tag verschoben. Dass störte aber keinen, denn dadurch wurden die ersten beiden Tauchgänge im Meer, also die ersten beiden richtigen Tauchgänge, nach vorne verschoben. Mit voller Ausrüstung, inklusive eines 18 Kilo schweren Lufttanks sind wir dann mit den Neoprenanzügen dass kleine Stück bis zum Strand durch die 32 Grad Mittagssonne gelaufen. Endlich im Wasser, mussten dann erst mal die Skills wiederholt werden, während neben mit das Korallenriff mit 1000 Farben und hunderten Fischen lockte, musste ich den anderen Kursteilnehmern zusehen, wie sie sich bei den einfachsten Skills anstellten. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir dann endlich über das Riff getaucht. Ich muss sagen: TAUCHEN IST EINFACH NUR DER HAMMER! Man gleitet schwerelos über das Riff, und ist plötzlich Teil der Unterwasserwelt. Während die Fische und Krebse vor Schnorchlern abhauen, akzeptieren sie die Taucher aus Meeresbewohner und bleiben ganz ruhig und gelassen, fressen einem aus der Hand und schwimmen ganz neugierig um einen herum. Die ersten Stachelrochen ließen nicht lange auf sich warten, majestätisch gleiten sie an einem vorbei, und wenn man sich dabei vorstellt, dass das Lebewesen, dass man da soeben bewundert, dich mit einem einzigen Stich töten kann, wird das Erlebnis nur noch so intensiver. In einem großen freistehenden Korallenblock habe ich dann sogar noch 2 verschiedene Muränen gesehen, die mich misstrauisch mit offenen Mund und sich bewegenden Kiemem gemustert haben. Ein 30cm großer Angelfish hat dann den ersten Tauchgang noch gebührend abgerundet. Völlig begeistert vom Tauchen hab ich mich dann mit den Trainern unterhalten, und fast ein bisschen Lust auf mehr bekommen, im Moment macht nämlich gerade ein Franzose den Tauchlehrerschein, der würde 5 Monate dauern und würde mich auch wahnsinnig interessieren. Etwas mehr in Reichweite währe aber eher der Advanced Kurs, allerdings sind die 450 Dollar, die der noch zusätzlich kosten würde doch etwas abschreckend. Inklusive währe allerdings ein Nightdive und ein Tauchgang auf 30m Tiefe zu einem japanischen Schwiffswrack, der Jongala, angeblich unter den 10 besten Tauchspots der Welt. Aber man kann ja nicht alles haben, den Advanced Kurs werde ich wohl wann anders nochmal nachholen. Zumindest wollte ich mir nochmal einen Nightdive zu meinen 6 Tagestauchgängen noch gönnen, nachts hat man die besten Chancen, eine Schildkröte zu finden und mit ihr zu tauchen, allerdings war ich der einzige mit diesem Vorhaben und dadurch hat kein Nightdive stattgefunden.. naja, Shit happens.
Abends war dann Mottoabend in der Bar des Hostels angesagt, alle Jungs, die sich als Mädls verkleiden, bekommen gratis Sekt und derjenige, der den Contest gewinnt, einen 50 Dollar Getränkegutschein. Eigentlich hatten wir nicht vor, da mitzumachen, aber als uns beim Essen dann 3 Mädls angesprochen haben, die uns unbedingt verkleiden wollten, konnten wir beim besten Willen nicht Nein sagen. Also wurden wir von einer Schwedin und zwei deutschen Mädls herausgeputzt, in mit Unterwäsche ausgestopften Bhs gesteckt ( die mit einer zusätzlichen Schnur am Rücken zugemacht werden mussten), Floyd bekam ein traumhaftes weißes Kleid mit roten Punkten, ich ein kleines schwarzes. Da die Kleider wohl nicht auf unsere Körpergröße ausgelegt waren, waren sie untenrum doch etwas kurz, aber mei, hilft ja nix..
Mit Maskara und Lipgloss ausgestattet, stolzierten wir also in die Bar, vorher noch im richtigen Gehen und Tanzen ausgebildet worden, und nahmen an dem Contest teil. Allerdings hatten wir leider keine Chance gegen einen betrunkenen Kerl, der in High Heels, Strapsen, String und einem korsettähnlichen Oberteil wirklich jedem die Show gestohlen hat. Wir hatten trotzdem unseren Spaß, obwohl sich der Floyd doch sichtlich unwohl gefühlt hat.
Heute haben wir dann den Test geschrieben, wie erwartet unglaublich einfach, und ich weiss wirklich nicht wie es die besagte Französin geschafft hat, da Fehler einzubauen. Danach ging es gleich wieder ins Meer, ich konnte es kaum erwarten, und da ich mich gestern so gut angestellt hatte, durfte ich als einziger über dem Reef tauchen, und nicht langweilig daneben. Neben ein paar neuen Stachelrochen und 40cm langen Sweetlips hatte ich dann noch das Glück, einen Suckerfish ( ich glaub, die einzige, der diese Namen was sagen könnten ist wohl die Rebecca, oder? ) zu sehen, der, fast einen Meter lang, sich zu größeren Objekten hingezogen fühlt und mit ihnen schwimmt. Leider hat er sich nach einigen Sekunden schon wieder verdrückt, aber begeistert war ich trotzdem.
Dieser Fisch sieht nämlich zum verwechseln ähnlich aus wie ein Hai, ist dünn, silber und hat ähnliche Flossen, und schwimmt auch mindestens genau so elegant.
Die beiden folgenden Tauchgaenge am naechsten Tag waren mit Abstand die besten, zwar war die Sicht an diesem Tag nicht ganz so gut, dafuer waren umso mehr Fische zu sehen, wir sind etwas tiefer getaucht, und vor allem mussten wir diesmal als certified diver keine Skills mehr vorfuehren, und konnten unsere gesamte Zeit dem Erkunden der Unterwasserwelt widmen.
Einige Stingrays, ein grosser Batfish, ein Crocodilefish und zahlreiche kleine bunte Unterwasserschnecken machten diese beiden Tauchgaenge unvergesslich.
Beim nachfolgenden Gespraech mit der oesterreichischen Tauchlehrerin ueber Divespots in Thailand und ueber alles Moegliche hab ich mir dann endlich mal wieder einen schoenen Sonnenbrand eingefangen.
Im Moment sitze ich gerade unter ein paar Kokospalmen, bekomme noch die letzten Strahlen der Abendsonne mit und lasse noch einmal alle tollen Eindruecke Revue passieren!
Schöne Grüße, euer David
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