Zuallererst mal: Auch wenn ich das Tauchen auf Magnetic Island so toll fand: da war es gar nicht so super!
Das durfte ich in Cairns herausfinden..
Da der Floyd noch nie tauchen war, wollte er es unbedingt auch mal ausprobieren, und ich konnte natuerlich auch nicht nein sagen. Also haben wir uns beraten lassen, und uns selbstverstaendlich das teuerste Boot ausgesucht, mit dem man aufs Great Barrier Reef fahren kann. Je teurer, desto besser das Riff und das Boot, so wurden wir ueberzeugt.
Also standen wir morgens um 07:15 bereit um abgeholt zu werden und wurden wieder einmal an das australische easy going erinnert. Als dann um 7:45 der Bus letztendlich kam, war es fuer den Fahrer das normalste auf der Welt, ich glaub er war sogar ein bisschen stolz, nur eine halbe Stunde zu spaet zu sein. ;-)
Am Himmel tuermten sich dunkle Wolken, und als wir dann am Hafen angekommen waren, begann es auch schon zu regnen. Na Klasse, so stellt man sich einen Bootsausflug natuerlich vor.
Wir wurden sofort mit Flossen, Brille und Schnorchel ausgeruestet, und machten es uns in dem grossen Katamaran bequem, der uns an das Outer Reef bringen sollte, laut Broschuere faehrt kein anderes Boot so weit hinaus. Der Regen wurde staerker, und der Seegang hoeher, und der Kat zeigte, dass er sein Geld wert war. Bald hatten wir alle anderen Boote, die vor und mit uns den Hafen verlassen hatten, hinter uns gelassen. Ueber jede hohe Welle wurde gesprungen, und die Crew gab allen den Tipp, vorbeugend anti-seasickness-Tabletten zu nehmen. Als ich dann zu der Taucheinweisung nach draussen gerufen wurde, stellte sich schnell heraus, dass einige der Teilnehmer sich das nicht so zu herzen genommen hatten. Floyd und ich haben zwar auch nichts eingeschmissen, aber wir waren Gott sei Dank nicht Teil des Schlachtfelds, das ich draussen an Deck vorfinden sollte: bestimmt 15 Leute lagen dort herum, kreidebleich im Gesicht, eine Kotztuete in der Hand und ein Gesicht, als haetten sie die uebelste Magen-Darm-Grippe.
Ein Teil dieser bedauernswerten Menschen war sogar so fertig, dass sie selbst nach Stunden noch nicht ins Wasser gehen konnten, die haben also 160 Dollar dafuer ausgegeben, kotzend auf einem Boot sein zu duerfen.
Als wir nach 1,5 Stunden das Reef erreicht hatten, wurde mir und zwei anderen certified divern schnell das Prozedere erklaert und da die anderen beiden ein Paerchen waren und zusammen tauchen wollten, hatte ich einen Guide fuer mich alleine. Nicht schlecht, wuerde ich sagen!
Mittlerweile war dann auch gluecklicherweise die Sonne wieder rausgekommen, und ich freute mich auf den folgenden Tauchgang. In Highspeed wurde die Ausruestung durchgecheckt und angezogen, und ehe ich mich versah, war ich auch schon in 15 Meter Tiefe auf dem sandigen Meeresgrund. Da der Guide noch etwas regeln musste, war ich erst mal alleine dort unten, und ich war einfach nur begeistert. Das erste mal in dieser Tiefe, statt 5 Meter Sichtweite ploetzlich 20, und statt die Korallen unter sich zu haben, tuermten sie sich hier bis zu 6 Meter ueber einem auf. Ich kam mir vor wie in einem Gebirge, zu allen Seiten kunterbunte Korallenriffe, 15 Meter ueber mir das Schiff und einige Schnorchler, die sich aber schnell in seichtere Gefielde aufmachten. Sofort kamen tausende Fische neugierig zu mir, schwammen ueber meinem Kopf und ueber mich herum, 40cm lange Seegurken chillten ueberall, und nach einer gefuehlten Ewigkeit war dann auch endlich mein Divemaster bei mir. Wir machten uns sofort auf, um das Riff zu erkunden. Foermlich schwebend bewegten wir uns also knapp ueber dem Riff, unter uns die verschiedensten Korallen und Fische in allen erdenklichen Farben und Groessen. Nach etwa 20 Minuten machte mich mein Guide ploetzlich mit allerhand komischen Geraeuschen aufmerksam und deutete hektisch auf eine gewisse Stelle vor uns. Ich suchte in dieser Richtung und traute meinen Augen nicht: ein Hai! Juhuu.. leider kein Weisser Hai, sondern ein gleich aussehender, aber bedeutend kleinerer White-tip-Shark. Er war etwa 2 Meter lang, und als wir ihn verfolgen wollten, fanden wir sehr schnell heraus, dass Haie sich unter Wasser doch etwas schneller fortbewegen koennen als Menschen.
Die Verfolgungsjagt hat sich trotz ihrer Kuerze aber dennoch gelohnt: Direkt unter uns schwamm naemlich eine Schildkroete mit ca. einem Meter Panzerlaenge! Den Hai kann der Teufel holen, hab ich mir gedacht, und bin sofort zur Schildkroete abgetaucht. Die war ueberhaupt nicht scheu, und hat sich von mir nicht stoeren lassen, ist majestaetisch vor sich hingeschwommen und hat nach etwas Fressbaren Ausschau gehalten.
Nach diesen 2 grossartigen Meeresbewohnern war dann leider mein Tank leer, und so mussten wir wieder an die Oberflaeche. Schnell aus der Ausruestung raus, 2 Tees getrunken und sofort wieder rein in den Pazifik, diesmal aber leider nur zum Schnorcheln. Nach einer Stunde, in der die Begeisterung fuers Great Barrier Reef nicht nachlassen wollte, wurden wir dann aber leider alle zum Boot zurueckgerufen, es gab naemlich Mittagessen, bestehend aus Huenchen und div. Salaten. Anschliessend fuhren wir zu einem anderen Reef, der Himmel war mittlerweile makellos blau und die Sonne gnadenlos.
Sehr schnell hab ich mich zu einem zweiten Tauchgang ueberreden lassen, diesmal ohne Divemaster, dafuer mit einem polnischen Paerchen. Das Riff war durch die Sonne noch bunter, und ich wurde einfach nur an alte Disneymovies erinnert. Einen weiteren, etwas groesseren Hai und viele viele Fische und Korallen spaeter war auch dieser Tauchgang wieder beendet und einige Photos geschossen. ( das Paerchen hatte sich fuer 200 Euro eine Kameraschutzhuelle gekauft)
Nach einer weiteren Schnorcheleinheit, diesmal zusammen mit Floyd, ging es dann wieder zureuck an Land, wobei ich am liebsten die Nacht dort verbracht haette.
Die restlichen Tage in Cairns vergingen relativ ereignislos, in einer Bar hatten wir noch ein interessantes Gespraech mit 2 australischen Navy-Soldaten, aber das war dann auch schon der Hoehepunkt der letzten Tage.
Am Samstag ging dann unser Flug zurueck nach Sydney. ( fuer 60 Dollar mehr haben wir uns den Flieger gegoennt, um 47 Stunden Busfahren zu umgehen! )
Dort angekommen, mussten wir zu unserem Schrecken feststellen, dass an diesem Tag in Sydney ein Festival war und daher alle, aber wirklich alle Hostels in der Stadt ausgebucht waren. Also wurde eine weitere Nacht unter freiem Himmel eingelegt, und trotz der Warnung von einem Maedl aus Sydney, wir wuerden zu 100%er Sicherheit entweder ausgeraubt oder verhaftet, war die Nacht erstaunlich erholsam und ruhig.
Am naechsten Tag war dann Wohnungssuche angesagt, der ganze Tag wurde im Internet verbracht und eine Wohnung etwas ausserhalb besichtigt, die dem Floyd aber dann doch zu weit ausserhalb lag. ( 20 min mim Zug und dann nochmal 10 min mit dem Fahrrad )
Abends hatten wir noch einen Termin, und der stellte sich als voller Erfolg heraus. Jetzt wohnen wir mit 2 Vietamesinnen und 2 Thailaenderinnen zusammen, alle bis auf die Vermieterin Studentinnen.
Alle 4 sind wahnsinnig nett, aber im Moment noch etwas zurueckhaltend. Dafuer hat eine der Vietnamesinnen einen echten Putzfimmel, die wischt einem die Kruemel vom Tresen weg, waehrend man den Toast noch in der Hand hat und genau davor steht. Echt unglaublich!
Und noch zu den weiteren Plaenen: Da ich mich Anfang Maerz persoenlich in Oesterreich zur Uni einschreiben muss, und die geringe Chance besteht, dass ich gleich zum Sommersemester in Deutschland einen Studienplatz bekomme, muss ich leider meine Reise verkuerzen. Bis Ende Januar werde ich jetzt noch in Sydney arbeiten ( ich hab gleich am Montag meinen Landscaperjob wieder angefangen und gleich mal im Garten einer Kundin eine Wasserleitung durchschlagen :-D ), und dann direkt nach Melbourne fahren. Dort einige wenige Tage verbringen und dann fuer einen Monat nach Neuseeland fliegen. Des kann ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, des is mir auch wichtiger wie der Rest von Australien.
Ab jetzt werde ich wieder oefter im Internet sein, da hier wieder eine Art Alltagsleben eingekehrt ist, und freue mich daher wieder ueber jede Email. :-)
Viele liebe Gruesse, David
Hallo lieber David,
Du könntest ja einen wunderbaren Reisejournalisten abgeben. Man ist direkt mit Dir vor Ort, sieht auch schon den Hai auf sich zukommen und die vielen Memos um einen herumwuseln. Ich bin ja schon so auf die Fotos gespannt. Deine Beschreibung mit den K-Tüten auf dem Katemaran ist ja auch köstlich. Toll finde ich ja und darum beneide ich Dich ein wenig, dass ihr soviel fremde Menschen kennenlernt und mit ihnen auch Austausch habt. Ich habe das auch in Indien sehr genossen, auch wenn da es doch Sprachschwierigkeiten gibt. Ja, ich hoffe, ihr werden Weihnachten der anderen Art feiern, aber ich finde es auch hier schlimm, wie die Tüten beladen, grimmige Gesichter, voller Anspannung und das soll dann heißen, Friede den Menschen auf Erden. Nun, ich bin über Weihnachten im Saarland bei Hannelore und werde auch die restlichen Verwandte und Bekannte mal wieder aufsuchen. Ist das jetzt für Dich schon sicher mit Insbruck? Ich hatte noch von Brandenburg gehört, dass dort auch gute Bedingungen sind, nicht nur der Numerus clausus zählt. Auf jeden Fall freue ich mich ganz besonders über Deine Entscheidung. So, nun gibt es Abendessen und heute um 9.00 Uhr ist in Phönix ein Film über Indien. Wenn man in einem Land war, ist es immer eine andere Perspektive. Ich grüße Dich ganz herzlich, bleib gesund und genieße jeden Tag. Deine Tante Gertrud
Kommentiert von: Gertrud Krauss | 07. Dezember 09 um 18:14 Uhr